2015 - Bayern/Tschechien/Berlin - Kruse/Trzcinski

Der Wettergott war uns gewogen. Anders als bei unseren geplanten Ausflügen nach Holland und Berlin, hatten wir wohl diesmal alles richtig gemacht und das Glück gepachtet. Donnerstag und Freitag, der 04.06. und 05.06.2015, sollte das Wetter konstanten blauen Himmel bieten und der Samstag stand noch ein wenig in der Schwebe mit einer aufziehenden Gewitterfront aus dem Südwesten, doch wir hatten einen Plan und wollten ihn umsetzen! Ursprünglich sollte es zwar nach Österreich gehen und über den Westen Deutschlands zurück, aber starke Gewitter über Österreich zwangen uns dann letztendlich zu einer Alternativtour, die es aber dann auch in sich hatte!

Die erste Etappe unserer dreitägigen Reise mit einem Reservetag, sollte wie auch für Österreich ursprünglich geplant nach Vilshofen gehen. Am Vorabend hatten wir uns schon am Flugplatz getroffen, um die Dimona vorzubereiten: Verzurrzeug einpacken, Ölflasche auffüllen, Flugplanung grob für den ersten Tag durchgehen, Freuen!
Am Donnerstag morgen waren wir wohl beide nicht mehr in der Lage zu Schlafen und trafen uns bereits um 0800 am Platz für's Ausräumen aus der Halle und erste Checks. In etwa einer Stunde sollte es losgehen nach Coburg (EDQC) und anschließend nach Vilshofen (EDMV).

Die kleinen Bilder zum Vergrößern einfach anklicken
Die D-KLVW vor dem Hangar und bereits beladen für die Tour.
Im Anflug auf Coburg - Die Veste Coburg

Der Anflug auf Coburgs Piste 12 führt genau vorbei an der Veste Coburg - einer Burg aus dem Jahr 1635. Der Flugplatz selbst liegt ebenfalls auf einem Plateau und man hat den gesamten Anflug, bis kurz vor dem Überfliegen der Schwelle, den Eindruck man wäre zu tief. Sobald man die Schwelle unter sich hat stellt man aber fest: Ich bin zu hoch! Mirko meisterte den Anflug allerdings souverän und brachte die Dimona sauber auf die Piste. Da unsere Tankanzeige entgegen unserer Berechnung nur etwas mehr als die Hälfte anzeigte, entschlossen wir uns ein wenig AvGas an Bord zu nehmen, Sicherheit geht immer vor und zu viel Sprit im Tank tut sicherlicher weniger weh, als zu wenig! Der Flugleiter im Turm kassierte unsere Landegebühr und erklärte und den Weg zu Veste, wir hatten ein wenig Zeit mitgebracht uns den Innenhof und den Ausblick anzuschauen. Von den Mauern der Burg kann man wunderbar die Anflüge auf Piste 12 beobachten, über den Fluglärm wird sich wohl keiner beschweren. Wer eine Burg neben einen Flugplatz baut, der muss damit rechnen. Gegen Mittag waren wir wieder zurück am Flugplatz, amüsierten uns noch über die schönen Bilder im Flur der Flugleitung und machten uns auf den Weg zu unserem Etappenziel des Tages: Vilshofen (EDMV).

Während Mirko für seinen Flug nach Coburg 5.000ft als Reiseflughöhe gewählt hatte, planten wir den Flug nach Vilshofen in FL70, um einigen Sperrgebieten auf dem Weg südlich des VOR Bayreuth ausweichen zu können, in dem wir Sie überfliegen. Eine der ED-R hatte sich wohl auf unserer VFR-Karten versteckt und war aktiv, aber nach kurzer Nachfrage bei der netten Dame von München Information konnten wir den Flug in FL80 fortsetzen. In der Höhe hat man auch kaum VFR-Verkehr, sodass Verkehrsinformationen für uns ausblieben. Der Flugplatz Vilshofen liegt genau an der Donau, man fliegt eigentlich eher einen Anflug auf die Donau, als auf den Flugplatz. Man sinkt ein in die Senke die den Fluß umgibt und setzt wenig später auf der versetzten Schwelle der Piste 12 auf. Vilshofen an der Donau hat eine schöne Altstadt und so haben wir uns für unsere Übernachtung für eine Pension direkt in der Innenstadt, unweit des Flugplatzes entschieden. Die Pension Sagererbot uns ein Bett, ein Frühstück und was bei 28 Grad viel wichtiger war: Eine Dusche! Eine kleine Planungshürde gab es allerdings vorher noch zu meistern: Adam hatte zwar fleißig den Wetterbericht studiert, aber obwohl alle Zeichen auf wolkenfreien Himmel deuteten, keine kurze Hose angepackt. In Anbetracht der Tatsache, dass die nächsten Tage alle auch sehr warm werden sollten, entschloss er sich in Vilshofen eine zu kaufen - an einem Feiertag ein unmögliches Unterfangen. Der Pensionsbesitzer war aber nicht nur freundlich und hilfsbereit bei der Vermietung seiner Zimmer, sondern auch als Herrenausstatter durchaus brauchbar. Eine kurze Hose war schnell aus dem Schrank gezaubert und konnte für einen kleinen Obolus den Besitzer wechseln. Mehr Service kann es eigentlich nicht geben! Nach der erfreulichen Dusche im retro-look Bad ging es für ein Eis in die Innenstadt und spät Abends ging es zurück auf's Zimmer für ein Radler und die Flugplanung des nächsten Tages.

FL80 auf dem Weg von Regensburg nach Vilshofen

Am nächsten Morgen ging es frisch geduscht und gestärkt zurück zum Flugplatz, etwa einer Stunde vor unserem geplanten Abflug. Eigentlich hätten wir heute nach Zell am See in Österreich fliegen sollen, aber das Wetter hatte sich nicht gebessert und uns final einen Strich durch die Rechnung gemacht, der Alternativplan war entgültig in Kraft getreten. Wir planten also zunächst einen kleinen Hüpfer nach Deggendorf (EDMW) zum Tanken von MoGas und anschließend einen Flug nach Karlovy Vary (LKKV) in Tschechien, um ganz zum Schluss in Strausberg (EDAY) anzukommen. Die ersten beiden Legs flog Mirko, den Flug ab Karlovy Vary übernahm Adam. In Deggendorf war vorher Fliegerlager gewesen, sodass der Flugplatz selbst etwas verschlafen wirkte, was aber wohl der Abschlussfeier vom Vortag geschuldet war. Wir packten also genug MoGas in den Tank und stellten fest, dass wir etwas früh dran waren, denn unser Flugplan nach Karlovy Vary sollte erst in einer Stunde aktiviert werden. Wir hatten in der AIP von Tschechienzwar gelesen, dass VFR Flugpläne zwischen Schengenstaaten in den Lufträumen Golf und Echo nicht erforderlich sind, aber bei einem Flug zum kontrollierten Flughafen wollten wir lieber kein Risiko eingehen und Flugpläne tun ja auch keinem weh.

(FPL-DKLVW-VG
-DIMO/L-OV/S
-EDMW0830
-N0105VFR DCT
-LKKV0120 LKTO
-DOF/150605 EET/LKAA0025 RMK/CI306328 ENTRY LKAA FIR ABEAM VSERUBY
 VILLAGE)

Tschechien ist landschaftlich eine tolle Gegend, mit den bergigen Gebieten im Süden von Tschechien und den weiten Feldern und Wiesen im Landesinneren, die sich zwischen kleinen, historischen Ortschaften häufen. Praha Information nahm uns an der Grenze entgegen und in klarem, verständlichen Englisch ging es weiter auf unserer Flugroute nach Karlovy Vary. Der Flugplatz liegt unterhalb eines Luftraum Delta mit Untergrenzen von 3.500ft, die Elevation an einigen Punkten geht allerdings schon bis 2.800ft hoch. Mit anderen Worten: Völlig legal und gezwungenermaßen fliegt man im Tiefflug durch die Täler und über die Felder, um den Flugplatz auf einem kleinen Plateau zu erreichen. Atemberaubend! Dort gelandet erlebten wir eine positive Überraschung, denn wir wurden nachdem wir 2h Parkzeit angegeben hatten, nicht etwas irgendwo auf einem General Aviation Vorfeld abgestellt, sondern direkt auf Stand 2 vor dem Terminal geparkt, neben einem Businessjet und wo sonst normalerweise A320 Platz finden. Der Marshaller versorgte uns freundlich mit einem Hallo auf den Lippen mit Bremsklötzen und keine 5min nach unserer Landung kam die Handling Agentin persönlich auf's Vorfeld und hieß uns per Handschlag und auf Deutsch in Karlovy Vary willkommen. Sie erklärte uns gut gelaunt wo wir einen Kaffee bekommen, wo wir unseren Weiterflug planen können und wo wir sie nachher finden um die Gebühren zu bezahlen. Mit 40 EUR Landegebühr ist Karlovy Vary vielleicht nicht der günstige Platz im Vergleich zu 12 EUR in Dortmund, aber der Service und die unglaubliche Lage sind die 40 EUR allemal wert!

In Deggendorf heute im Angebot: Dimona!
 

Zwei Stunden später ging es also raus aus Karlovy Vary, zunächst noch zu einem Low-Approach um die Kamera zu füttern und danach in Absprache mit dem Radarlotsen direkt auf FL75 für den Flug nach Strausberg (EDAY), vor Allem um nicht an den Bergen nördlich von Karlovy Vary hängen zu bleiben. Der Flug nach Strausberg über Klasdorf VOR verlief ebenfalls ruhig in den luftige Höhen, je näher wir Berlin kamen, desto tiefer mussten wir allerdings runter und desto mehr mussten wir auf Bremen Information hören. Entlang unserer Route gab es aber auch einiges zu sehen, wie z.B. die alte Zeppelinhalle, welche zu einem riesigen Schwimmbad umgebaut wurde oder auch 3 Waldbrände, die wir dem FIS-Spezialisten meldeten. Leider haben wir von den Bränden keine Aufnahmen machen können, da wir zu tief und zu konzentriert waren. Nach der durchaus bockigen Landung in Strausberg ging es fix zum Tanken für den nächsten Tag, bevor wir vom Flugleiter mit dem Shuttle zum Hotel gefahren wurden. Wir hatten erwähnt, dass wir spontan umgeplant hatten mit Strausberg und nicht Österreich? Verzweifelt hatte Adam in den Tagen zuvor versucht ein Hotel oder eine Pension zu finden, aber alles war ausgebucht. Ein einziges Hotel, der Seegasthof Strausberg, hatte glücklicherweise ein Doppelzimmer frei, auch wenn nur für die eine Nacht und etwas teurer als die Pension in Vilshofen. Aber damit hatten wir trotzdem noch einen Glücksgriff gelandet, denn das Hotel lag direkt am Strausberger See und unsere Terrasse bot einen Blick über den See. Man könnte auch meinen, wir hätten eine Suite bekommen.

Wenn man schonmal in Strausberg ist, kann man mit der S-Bahn super in die Berliner Innenstadt fahren und die Stadt erkunden. Unser Ziel an dem Tag war aber Kreuzberg, denn Adam kannte aus vorherigen Besuchen einen Burgerladen, den er empfohlen hatte: Den Burgermeister!

Strausberg (EDAY) Info!

Wir hatten gerungen mit dem Wetter für Samstag, eine schwere Gewitterfront zog von Köln und dem Südwesten in Richtung Berlin und sollte dort gegen Nachmittag ankommen. Das Regenradar und unsere Wetterkarten meldeten aber, dass bis 1100 der Weg frei sein sollte am Brocken vorbei und so fuhren wir früh morgens, noch vor der Frühstückszeit des Hotels, raus zum Flugplatz. Freundlicherweise hatte uns das Hotel ein kleines Frühstückspaket zusammengestellt, damit wir nicht Hungern mussten. Das Flugzeug war schnell vorbereitet und es ging los, Start in Strausberg und Kurs Richtung Westen. Berlin selbst ist umgeben von den Kontrollzonen Tegel und Schönefeld, sodass man nur drumherum fliegen kann oder sich eine Freigabe einholt für das VFR-Routing nördlich von Schönefeld. Der Towercontroller hatte alle Hände voll zu tun mit IFR-Verkehr im Anflug auf Schönefeld, aber in wenigen Sekunden quetschten wir unsere Anfrage rein, bekamen eine Freigabe und verkürzten unsere Flugzeit um etliche Minuten. So nah am Alex vorbei, kommt man mit dem Flugzeug selten. Beim Harz wurde es dann wie vorhergesagt ein wenig haarig, als eine Gewitterzelle direkt auf uns zusteuerte. Es sollte dann allerdings doch die einzige bleiben und wir konnten sie bei klaren Sichten nach Westen und Norden gut umfliegen. Wir gaben das Wetter als PIREP an München Information weiter, die sich herzlich bedankte und auch ein weiterer Pilot, der wohl etwa 20NM hinter uns war, bedankte sich, weil seinen Flug nicht abbrechen musste sondern wusste: Dahinter wird's klar! Funkkontakt zu FIS lohnt sich! Hinter Kassel-Calden wurde es dann allerdings stark bewölkt und wir versuchten es erst über das Willinger Tal nach Hause, mussten allerdings wegen aufliegender Wolken und mangelnder Mindesthöhe aufgeben und zurück nach Kassel-Calden fliegen. Als wir in Kassel-Calden ankamen, wollte DJ Bobo gerade weg, ein kurzes Hallo und Kopfnicken auf dem Vorfeld und schon war er in seinen Privatjet verschwunden. Mit moderaten 12 EUR Landegebühr lohnt sich Kassel-Calden für einen Stopp und im Fall er Fälle wären auch Betten freigewesen, hätte das Wetter nich doch noch aufgeklart. Mirko wäre nicht abgeneigt gewesen eine Mütze Schlaf zu kriegen, auf dem Photo unten lässt sich erahnen, wie sehr der Flug unter der geschlossenen Wolkendecke bei niedrigen Höhen einen Piloten schlauchen. Gegen Nachmittag klarte es allerdings soweit auf, dass wir den Rückflug wagen konnten und gegen 1800 durften wir Küntroper Landebahn unter den Rädern spüren. Wir hatten unsere Tour geschafft!

Schönste Sichten noch in Strausberg, das sollte sich in Kassel-Calden ändern...
800NM, 9:30h Gesamtflugzeit, 7 Flugplätze, 3 Tage, 2 Männer, 1 Flugzeug!

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Impression vom Flugplatz

lsv004s.jpg

Wetter am Flugplatz



Quelle: www.meteomedia.de / Klicken für großes Bild